Öland

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Lage, Landschaft und Geografie: steinige Böden, schwarze Insel, hohe Felsen

Die 1.347 km² große schwedische Ostseeinsel Öland liegt im Südwesten der gut 11.000 km² großen Provinz Kalmar län, ist die zweitgrößte Insel des Landes und mit dem Festland über die zwischen 1968 und 1972 erbaute, mehr als sechs Kilometer lange Ölandbrücke („Ölandsbron“) verbunden. Zwischen Festland und Insel befindet sich die Meerenge Kalmarsund mit der nur 0,66 km² großen und spärlich mit Laubwald bewachsenen Felseninsel Blå Jungfrun. Die „Blaue Jungfrau“ gilt im regionalen Volksglauben seit dem Mittelalter als Treffpunkt von Hexen, weshalb sie von Seeleuten häufig auch als Blåkulla blå („Schwarze Insel“) bezeichnet und gemieden wurde. Blå Jungfrun ist auch der Name des umliegenden, knapp 2 km² großen Nationalparks und Natura-2000-Gebiets. Öland selbst präsentiert sich als flache Hochebene aus Kalkstein, Sandstein und Schiefer, die als aride Zone vor allem von kleinen Bäumen und Sträuchern sowie Gräsern bewachsen ist. Ein imposantes Naturdenkmal an der Westküste sind die insgesamt 120, bis zu vier Meter hohen Kalksteinsäulen Byrums raukar in der Nähe von Byrum. Im Süden befindet sich die gut 56 Hektar große Heidelandschaft Stora Alvaret. Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört die Agrarlandschaft Südöland, die mit ca. 560 km² Fläche ein Drittel der Insel umfasst. Auf Öland leben aktuell knapp 26.000 Einwohner in den beiden Gemeinden Borgholm und Mörbylånga. Im gut 681 km² großen Gemeindegebiet von Borgholm im Norden der Insel leben zurzeit knapp 11.000 Menschen in 26 Ortschaften, Dörfern und Siedlungen. In Mörbylånga auf der Südhälfte des Eilands sind es aktuell ca. 15.000 Einwohner in 20 Orten auf etwas über 668 km² Fläche.

Geschichte, Gegenwart und Zukunft: Gräberfelder, Menhire, Fernhandel, Thingplatz

Die Existenz von Jägern auf Öland gilt bereits vor 9.000 Jahren als gesichert. Ackerbauern besiedelten die Insel in der Jungsteinzeit vor ca. 6.000 Jahren. Aus dieser Phase stammen auch die Ganggräber in Resmo als die ältesten der über 13.000 archäologischen Fundstätten. In der Bronzezeit vor ca. 3.500 Jahren betrieben die damaligen Bewohner mit Fellen und Häuten Handel im Ostseeraum. Teils kunstvoll bearbeitete Metallgegenstände aus dieser Epoche wurden in den großen Hügelgräbern wie etwa im Blå rör bei Borgholm und der Kliffküste Köpings klint gefunden. Typisch für die gesamte Insel sind auch die ausgedehnten Gräberfelder, zu den größten ihrer Art gehören die Anlagen bei Gardstorp, Gettlinge, Klinta, Seby und Segerstad. Einen prähistorischen Thingplatz bildeten die beiden jeweils drei Meter hohen und 1,5 Meter breiten Kalksteinplatten des Tingstad flisor in der Stora Alvaret. In der Zeit der Völkerwanderung vom 4. bis zum 6. Jahrhundert verließ der germanische Volksstamm der Warnen/Variner die Insel. Damals entstanden die großen Burganlagen Gråborg und Eketorp (Mörbylånga) sowie Ismantorp bei Rälla und Långlöt (Borgholm). Mitte des 8. Jahrhunderts gab es bei Köpingsvik (Borgholm) eine Siedlung mit ca. 4.000 Einwohnern. Zur selben Zeit soll Öland zum Herrschaftsgebiet der legendären Sagengestalten „Sveakönig“ gehört haben. Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert wechselten sich Dänemark und Schweden als Regenten über die Insel ab. Bis 1801 war ganz Öland ein königliches Jagdgebiet. Der bäuerlichen Bevölkerung waren Jagd und Holzfällen sowie Hundehaltung und Waffen verboten. Der Bödaaufstand von 1850 wurde militärisch niedergeschlagen. Um die im 19. Jahrhundert wachsende Bevölkerung zu ernähren, wurden Moore trockengelegt und zu landwirtschaftlichen Nutzflächen gemacht. Nichtsdestotrotz wanderten viele Insulaner wegen der schlechten Wirtschaftslage nach Dänemark, Deutschland und in die USA aus. Heute sind Fisch- und Landwirtschaft sowie Konservenindustrie die wichtigsten Branchen. Für die Zukunft legen zahlreiche Bewohner Hoffnung auf den sich langsam, aber stetig entwickelnden Tourismus.

Kunst, Kultur und Attraktionen: Burgen, Kirchen, Mühlen, Leuchttürme, Museen

Die wohl wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf der nur recht dünn besiedelten Insel sind die vielen, teils noch vollständig, teils nur als Ruinen erhaltenen historischen Bauten. Zu den ältesten Gebäuden gehören die ca. 20 eisenzeitlichen Burgen, von denen heute noch 16 besichtigt werden können. Neben den weiter oben bereits genannten Anlagen sind die Burgen von Bårby, Träby, Triberga und Sandby bei Gårdby (Mörbylånga), sowie Hässleby bekannte und bei einschlägig interessierten Urlaubern beliebte Ausflugsziele. Häufig als Fotomotive dienen auch die historischen Windmühlen auf Öland. Von den einst ca. 2.000 Mühlen im 19. Jahrhundert sind heute noch 400 erhalten. Sehenswert sind vor allem die teils originalgetreu rekonstruierten Mühlen in Lerkaka, Störlinge, Sandviks Kvarn sowie Strandtorp und Jordhamn (Borgholm). Gerne von Gästen der Insel besucht werden auch die altehrwürdigen Kirchen. Beeindruckende und monumentale Sakralbauten finden sich in Gärdslösa, Långlöt, Högby, Källa und Egby in Borgholm sowie Resmo in Mörbylånga. Von Weitem sichtbar sind auch die Leuchttürme „Långe Erik“ auf der Insel Stora vor der Nordspitze Ölands und „Långe Jan“ bei Gräsgårds an der Südspitze. Zahlreiche Artefakte aus der langen Geschichte der Insel können als Exponate im Ölandmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Himmelsberga sowie im Stadtmuseum von Borgholm bewundert werden. In beiden Häusern gibt es auch Dauerausstellungen zur bäuerlichen Kultur auf Öland. In der Siedlung Skedemosse (Borgholm) wird die Geschichte des gleichnamigen, im 19. Jahrhundert entwässerten Moors beleuchtet. Ein großes Vergnügen für die ganze Familie ist eine Fahrt mit der Museumsbahn „Böda Skogsjärnväg“ durch den Ökopark Böda an der Nordspitze von Öland.

Parks, Gärten und Grünanlagen: Schafe und Vögel, Neptunsfelder und Zauberwald

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1974 vor allem in den Sommermonaten gut besucht ist der 30.000 m² große Freizeit- und Tierpark „Ölands Djur & Nöjespark“ bei Färjestaden und Möllstorp in Borgholm. In einem der fünf größten Vergnügungsparks Schwedens finden die Besucher ein Zoo mit ca. 100 Tieren sowie zahlreiche Fahrgeschäfte, Ferienhäuser, ein Restaurant und das modern gestaltete Spaßbad „Pirat Island“. Die auf Öland vielerorts allgegenwärtigen Schafe lassen sich gut auf den Schäfereiwiesen in Ottenby im Süden beobachten, wo sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine große königliche Schäferei samt Scheune und Gestüt befand. Ganz in der Nähe liegt die fruchtbare Kulturlandschaft Mörbylångadalen, in der bis heute im großen Stil Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln und sogar Erdbeeren angebaut werden. Etwa 250 Vogelarten wie Enten, Gänse, Schwalben und Falken können in der Anlage „Stora Frö“ bei Beijershamn und Färjestaden in Mörbylånga beobachtet werden. Informativ ist der geologische Garten samt Felsenpfad in Degerhamn, wo ein Grillplatz mit Bänken und Tischen zum Verweilen einlädt. Tolle Sicht auf das Meer und die Heide bietet der Rastplatz Möckelmossen bei Resmo und Stenåsa. Zu den schönsten der 75 Naturreservate auf Öland zählen der Trollskogen („Zauberwald“) im Ökopark Böda, das Geröllfeld der Neptuni åkrar („Neptunsfelder“) bei Byxelkrok und die raue Alvarlandschaft rund um Vickleby in Mörbylånga.

Feste, Feiern und Folklore: Erntedank, Kürbis und Lagerfeuer zum Herbstanfang

Als stark von der Landwirtschaft bestimmte Insel wird auf Öland traditionellerweise das Erntedankfest ausgiebig und ausgelassen gefeiert. In Schweden und auf der Insel lautet der Name für diese bei der Bevölkerung sehr populäre Veranstaltung nach dem Ende der alljährlichen Wachstumsperiode „Mickelsfest“ oder „Mickelsmäss“. Wenn die Ernte endlich eingebracht und das Vieh rechtzeitig vor dem Wintereinbruch zurück in die Ställe gebracht worden ist, können die Bauern aufatmen, innehalten und sich eine wohlverdiente Pause gönnen. Auf Öland sind die Feierlichkeiten an Erntedank auch unter der Bezeichnung „Skördefest“ ein Begriff. Nachdem das Fest 1997 erstmals im großen Stil angekündigt und erfolgreich veranstaltet wurde, lockt die Veranstaltung jedes Jahr am letzten Wochenende im September regelmäßig über 100 000 Besucher nach Öland. Das mittlerweile größte Erntedankfest in Schweden wurde in der Vergangenheit auch schon von so prominenten Gästen wie der schwedischen Kronprinzessin Viktoria und dem ehemaligen Staatsminister Göran Persson beehrt. Zu den 900 unterschiedlichen Aktivitäten in den Dörfern zählen Ausstellungen, Messen, Märkte, Festivals und Konzerte. Als Symbol dient der Kürbis, der auf einem Strohballen platziert, auch den jeweiligen Ort eines Events anzeigt. In vielen Ateliers und Galerien werden etwa Vernissagen und Installationen veranstaltet, auf den Höfen und in den Scheunen kulinarische Köstlichkeiten angeboten. Üppige Beleuchtung und große Feuer erhellen den beginnenden Herbst und sorgen für gemütliches Ambiente.

Freizeit, Sport und Aktivitäten: wandern, radeln, reiten, Bonbons und Boule

Öland ist dank seiner weitläufigen Landschaften ohne viele Berge und Steigungen für entspanntes Wandern wie gemacht. Die Schönheit der Insel erkundet man am besten zu Fuß auf einer der zahlreichen gut ausgeschilderten Strecken. Besonders empfehlenswert sind beispielsweise der Stora Alvar-Weg (13 Kilometer) von Karlevi nach Frösslunda, der Örnkullen (5,5 Kilometer) am See Kritmossen und der Bårby-Källa-Weg (6 Kilometer) um den See Möckelmossen. Schöne Eindrücke bietet auch der Gösslunda-Weg (7 Kilometer) bei Resmo und Triberga, der Weg von Tingstad Flisor nach Penåsa (5 Kilometer) und der Millersten-Weg (7,2 Kilometer) auf einem früheren Eisenbahndamm. Die Insel verfügt auch über eine große Auswahl an gut ausgebauten Radwegen. Viel und gerne von Gästen genutzt werden vor allem der Ekopark-Weg (40 Kilometer) durch den Wald Bödaskogen im „Sveaskogs Ekopark“, das Wegenetz „Ölandsleden“ (Ölandsweg) über 400 Kilometer Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr und der grün ausgeschilderte „Sverigeleden“ (Schwedenweg) von der Ölandbrücke bis nach Grankullavik im Norden. Ein schönes Ausflugsziel für den Urlaub mit Kindern ist die „Karamellkokeri“ (Bonbonkocherei) in der früheren Dorfschule von Bredsättra an der Ostküste, wo die bunten Zuckerstangen noch von Hand gezogen und auch selbst gebackene Kuchen serviert werden. In Ölands einziger Indoor-Boulehalle, der „Boulebahn“ in Tjusby, gibt es neun Bahnen, einen Imbiss mit Alkoholausschank und einen Versammlungsraum. Reiter und Pferdefreunde können mit den Pferden von „Western Adventures“ in Smedby geführte Touren unternehmen.

Gastronomie, Nachtleben und Kulinarik: Kartoffeln und Fisch frisch auf den Tisch

Ein für Öland wie auch das südschwedische Småland typisches Gericht sind die mit Speck und Zwiebeln gefüllten sowie mit Preiselbeerkompott, Sahne und heißer Butter servierten Kartoffelklöße „Kroppkakor“, die es abgepackt auch in vielen Supermärkten zu kaufen gibt. Ein traditionelles und schmackhaftes Gericht ist auch der delikate Auflauf „Janssons frestelse“ (Janssons Versuchung) mit Anchovis, Dill, Kartoffeln, Sahne und Zwiebeln, der früher zumeist in den am Abend noch heißen Öfen der Glasbläsereien zubereitet wurde. Neben Kartoffeln und Kohl sind Hülsenfrüchte wie Erbsen und braune Bohnen, die schon auf den Segelschiffen im 18. Jahrhundert als günstiges und haltbares Lebensmittel dienten, ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Hausmannskost. Braune Bohnen aus zertifizierter ökologischer Landwirtschaft sind seit 2010 mit geschützter geografischer Angabe anerkannt und werden außer zu Konserven auch zu schmackhaften Bohnenchips verarbeitet. Frischer Fisch direkt aus dem Meer oder in geräucherter Form darf natürlich ebenfalls auf keiner Speisekarte in Schweden fehlen, vor allem Lachs und Hering gibt es in den Restaurants in zahlreichen leckeren Variationen. „Gravad Lax“ (fermentierter Lachs) mit süßlicher Senfsoße und „Strömming-Smörgås“ (Heringsbrot) schmecken besonders gut nach langen Wanderungen oder Radtouren. Auf ganz Öland gibt es aktuell ca. 60 Bars, Cafés und Restaurants, am vielseitigsten ist die gastronomische Auswahl in den größeren Städten Borgholm, Färjestaden und Mörbylånga.

Wirtschaft, Ökonomie und Unternehmen: Alaun und Kalk waren das „Gold“ Ölands

Bis in das späte 19. Jahrhundert war Öland in ganz Schweden und Skandinavien als Herkunftsort und Lieferant von hochwertigem grauem und rotem Kalkstein als Baumaterial bekannt. So wurde etwa der Dom zu Lund in der südschwedischen Provinz Schonen zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit Steinen von der Insel erbaut. Ab dem 14. Jahrhundert begann die Kalkbrennerei in großen Mengen, das zu dieser Zeit noch übliche Schleifen der Steine mit im Kreis laufenden Pferden und Ochsen wurde ab 1850 durch die neuen windgetriebenen Scheuermühlen ersetzt. Diese waren noch bis in die frühen 1930er Jahre in Betrieb, die einzig erhaltene schwedische Scheuermühle befindet sich in Jordhamn an der Westküste von Öland. Einer der letzten mit Steinkohle geheizten Kalköfen kann im früheren Fischerdorf und heutigen Freilichtmuseum Bruddesta bei Äleklinta und Borgholm besichtigt werden. Auch von der im 18. und 19. Jahrhundert so wichtigen Alaunherstellung auf Öland speziell rund um Degerhamn am Kalmarsund sind bis heute nur noch die stillgelegten Steinbrüche und Fabrikanlagen übrig geblieben. Das natürlich gewonnene Alaunsalz wurde als Beizmittel zum Färben und Gerben sowie in der Medizin bereits gegen Mitte des 19. Jahrhunderts durch chemische Herstellung ersetzt.